A.M. Ollikainen - Autor
© Marja Kokkonen

A.M. Ollikainen

A.M.Ollikainen ist das Pseudonym des Ehepaars Aki und Milla Ollikainen. Aki Ollikainen hat bereits drei Romane veröffentlicht und den Literaturpreis der größten finnischen Tageszeitung gewonnen, den "Helsingin Sanomat Literture Prize 2012". Seine Romane standen zudem auf der Longlist des Man Booker Prize und des Prix Femina. Auch Milla Ollikainen ist eine renommierte Autorin. Auch von ihr sind schon drei Romane erschienen und sie hat 2012 den Preis der "Finish Detective Society's Crime novel" gewonnen.
Das Ehepaar lebt mit seinen zwei Kindern in Lohja, im Süden Finnlands.

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Interview

"Spannende Unterhaltung bedeutet nicht, dass es keine ernsten Themen geben kann, die seriös behandelt werden." | 16.02.2022

A. M. Ollikainen ist das Pseudonym des finnischen Ehepaars Aki, 48 und Milla Ollikainen, 47. TEAM HELSINKI - DIE TOTE IM CONTAINER ist ihr erstes Buch, das sie gemeinsam geschrieben haben. Der Krimi wird in fünfzehn Ländern erscheinen und ist der Auftakt einer fünfteiligen Reihe.DIE TOTE IM CONTAINE...

A. M. Ollikainen ist das Pseudonym des finnischen Ehepaars Aki, 48 und Milla Ollikainen, 47. TEAM HELSINKI - DIE TOTE IM CONTAINER ist ihr erstes Buch, das sie gemeinsam geschrieben haben. Der Krimi wird in fünfzehn Ländern erscheinen und ist der Auftakt einer fünfteiligen Reihe.
DIE TOTE IM CONTAINER ist der erste Kriminalroman, den sie gemeinsam unter dem Pseudonym A. M. Ollikainen geschrieben haben. Sie leben in Lohja, sechzig Kilometer von Helsinki. Können Sie sich kurz vorstellen?
Milla: Ich bin eine 47-jährige Journalistin und Schriftstellerin. Im Moment bin ich von der Arbeit beurlaubt, so dass ich einige Monate lang in Vollzeit schreiben kann. Aki und ich sind seit 23 Jahren verheiratet und wir haben einen 17-jährigen Sohn und eine 14-jährige Tochter. Unsere Kinder sind in Lappland geboren, wo wir elf Jahre lang gelebt haben. Ich habe dort als Chefredakteurin einer kleinen Lokalzeitung gearbeitet. Ich liebe den Norden über alles und vermisse ihn immer noch. Ich bin ein Wintermensch.
Aki: Ich wurde 1973 in Äänekoski, in Mittelfinnland geboren. Ich habe mit dem Schreiben angefangen, als ich ein Teenager war. Zuerst habe ich ein paar Songtexte auf Englisch geschrieben, weil ich ein internationaler Rockstar werden wollte. (lacht). Als ich merkte, dass ich nie singen oder ein Instrument spielen lernen würde, begann ich, Gedichte zu schreiben. Meinen Beruf als Journalist habe ich vor zehn Jahren aufgegeben und seither drei Romane und Gedichte für Kinder geschrieben.
Was sind die Herausforderungen beim Schreiben als Paar und als Eltern?
Milla: Ich bin es gewohnt, mich in unserer Familie um alles zu kümmern. Deshalb fällt es mir nicht leicht, zurückzutreten und zu sagen, dass ich jetzt schreibe oder dass ich in den nächsten Wochen für nichts zuständig bin, weil ich mich aufs Schreiben konzentrieren muss. Zum Glück haben wir jetzt ein Büro außerhalb des Hauses gemietet.
Aki: Das Meiste schreibe ich im Kopf, wenn ich gehe oder auf dem Sofa liege. Ich denke die ganze Zeit nach, und wenn ich mich dann endlich hinsetze und anfange zu tippen, kenne ich die Geschichte. Als der Lockdown kam, fiel es mir schwer zu arbeiten, weil wir alle vier zuhause waren. Ich war es gewohnt, am Küchentisch zu schreiben, und plötzlich gab es keine Minute Ruhe mehr. So fand ich mich auf meinen Knien sitzend neben unserem Bett wieder, das ich als Arbeitstisch in unserem winzigen Schlafzimmer benutzte.
Milla, Sie sind eine erfahrene Krimiautorin, eines Ihrer Bücher wurde mit dem renommierten Krimipreis der Finnish Detective Society ausgezeichnet. Was gefällt Ihnen an dem Genre?
Ich habe schon früh angefangen Krimis zu lesen, als Jugendliche habe ich alle Bücher von Enid Blyton verschlungen. Carolyn Keenes Nancy Drew gehörte als Kind zu meinen Lieblingsbüchern. Später habe ich natürlich Literatur aller Art gelesen, aber ein guter Kriminalroman kann mich total packen. Ich mag klassische Whodunits. Ich bin von dieser Art von Geschichten fasziniert: Ein Mord, der erst nach und nach aufgedeckt wird. So haben wir auch Die Tote im Container geschrieben.
Aki, Sie haben bisher drei Romane veröffentlicht, ihr Debüt wurde mit dem finnischen Literaturpreis ausgezeichnet. Was hat Sie daran gereizt, gemeinsam mit ihrer Frau einen Kriminalroman zu schreiben?
Ich hätte wahrscheinlich nicht allein versucht, einen Krimi zu schreiben. Aber ich wollte es unbedingt mit Milla tun! Das Genre hat bestimmte Regeln, die es leichter machen, gemeinsam zu schreiben. Ein Krimi ist wie ein Puzzle, dessen Teile man mit jemand anderem zusammenfügen kann. Mich reizte der Gedanke, gemeinsam eine ganz neue Stimme zu in einem „A.M.-Stil“ zu erschaffen, bei dem der Leser nicht errät, wer welches Kapitel geschrieben hat.
Haben Sie sich gut ergänzt?
Milla: Auf jeden Fall. Wir ergänzen uns in vielerlei Hinsicht, vielleicht, weil wir ziemlich unterschiedlich sind, nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Menschen. Ich bin ein sehr direkter Typ, ich bin schnell in fast allem, was ich tue, ich rede viel. Aki ist eher schweigsamer. Sein Schreibstil ist poetisch, er schreibt manchmal schwere, aber immer schöne, gehaltvolle Texte, sie haben eine Art zeitlosen Charakter.
Aki: Millas Text rollt reibungslos vorwärts. Eine Sache führt zur nächsten. Sie driftet niemals ab und behält ihr Ziel im Auge.
Wie haben Sie gemeinsam den Plot entwickelt und wie sind Sie beim Schreiben der Szenen vorgegangen?
Aki: Wir hatten die Idee, dass Milla das Bild zeichnet und ich das Ausmalen übernehme.
Milla: Wir haben zunächst die Figuren und dann die Handlung entwickelt. Ich schreibe zuerst und treibe die Geschichte organisch voran.
Aki: Aber weil unser Zeitplan ziemlich eng war, haben wir abwechselnd weiter an der Geschichte geschrieben. Eines der Dinge, die ich dabei von Milla beim Schreiben von Die Tote im Container gelernt habe, ist, dass jedes Kapitel eine Art Überraschung oder eine neue Information enthalten muss, so dass man unbedingt weiterlesen will.
Milla (lacht): Ja, manchmal musste ich Dich bremsen, dass Du den Lesern nicht zu früh Geheimnisse verrätst.
Ihr Krimi kommt ohne Szenen von Gewalt und Blutvergießen aus.
Milla: Ich mag keine grausamen Krimis. Es gibt ein paar Dinge, über die ich nicht schreiben würde. Das eine ist brutale Gewalt und das andere Pädophilie. Ich schätze keine schockierenden Effekte. Das Wichtigste für mich ist, dass ein Krimi spannend und dabei unterhaltsam ist. Ich verwende das Wort Unterhaltung ein wenig provokativ, darüber habe ich mit Aki gestritten.
Warum?
Aki: Ich mag das Wort Unterhaltung nicht, weil es negativ besetzt ist und man denken könnte, dass unsere Bücher oberflächlich sind.
Milla: Vorsicht: Spannende Unterhaltung bedeutet nicht, dass es keine ernsten Themen geben kann, die seriös behandelt werden.
Was war Ihre Grundidee für Die Tote im Container?
Milla: Alles begann mit dem Container in dem das Mordopfer gefunden wird. Eines Nachts als ich im Bett lag, habe ich darüber nachgedacht, was die schrecklichsten Todesarten für mich wären. In einem geschlossenen Raum zu ertrinken war eine davon. So haben wir das ganze Buch um den Container, in dem eine junge schwarze Frau qualvoll ertrunken ist, entwickelt.
Das Team Helsinki besteht aus vier Ermittlern. Paula, Renko, Hartikainen und Karhu. Was war Ihnen bei der Konzeption dieser verschiedenen Charaktere wichtig?
Aki: Wir wollten Figuren schaffen, die wir mögen und mit denen wir gern zusammen sind, denn sie sind für uns fast wie Kollegen. Wir hatten recht bald ein gutes gegenseitiges Verständnis von allen, wie sind sie, was sie wollen, wie sie reagieren. Nach Paula wurde zuerst Renko geboren; er plappert gern und redet viel, womit er nicht dem Stereotyp eines finnischen Mannes entspricht.
Die Hauptfigur ist Polizeikommissarin Paula Pihlaja, eine ungewöhnliche Ermittlerin. Wie ist sie entstanden?
Milla: Ich hatte die Vorstellung einer großen, schweigsamen, ein wenig amazonenhaften Frau. Sie sollte eine starke Hauptfigur sein, die eine eigene Geschichte hat. Paula hat ihr Baby zur Adoption freigegeben. Am Anfang des ersten Buches unserer Reihe wird ihr inzwischen 20-jähriger Sohn wegen Totschlags verurteilt. Das ist ein Thema, das mich schon immer interessiert hat: Mütter von Mördern. In unserem zweiten Band, an dem wir gerade schreiben, wird sich ihre Geschichte weiter enthüllen.
Als Paula beginnt, den Fall zu untersuchen, führen die Spuren zur Unternehmerfamilie Lehmusoja und ihren korrupten, geschäftlichen Aktivitäten, die sie jahrzehntelang in Afrika betreiben. Wie sind Sie auf die Idee gekommen neben Finnland auch Namibia zum Schauplatz zu machen?
Aki: Der „Kontti“, auf finnisch Container, hat uns dazu gebracht, über globale Logistik und Transport nachzudenken. Finnland hatte zwar keine eigenen Kolonien, aber zumindest in den Köpfen der Finnen war Namibia unsere geistige Kolonie. Denn Ende des 19. Jahrhunderts gingen die ersten finnischen Missionare in den nördlichen Teil Namibias, nach Ovamboland. Die Ovambos sind die größte Bevölkerungsgruppe in Namibia, zu ihnen gehört die Hälfte der rund zwei Millionen Einwohner. Rauha Kalondo, die Tote im Container, stammt aus Ovambo. Ihr Vorname ist ein finnischer, was nicht ungewöhnlich ist. Als die Missionare begannen, die Ovambos zu taufen, gaben diese oft ihren alten Namen auf und wählten stattdessen einen finnischen. So ist auch heute noch Selma der häufigste Frauenname in Namibia.
Milla: Außerdem hat eine meiner engsten Freundinnen zehn Jahre in Namibia gelebt. Sie hat uns viel über die Situation in dem Land, auch über finnische Entwicklungshilfe erzählt. So haben wir einiges erfahren, das offiziell nicht so bekannt ist und das wir thematisieren.
Während ihrer Ermittlungen legt Paula besonderen Wert auf politische Korrektheit. Ist Rassismus in Finnland ein Thema?
Milla: Ich bin oft verärgert, wenn ich jemanden sagen höre, dass es bei uns keinen Rassismus gibt. Nun, lange Zeit gab es ihn nicht, da es hier praktisch keine Einwanderer gab. Jetzt haben wir auch in Finnland Flüchtlinge und es zeigt sich, dass es unterschwelligen und unausgesprochenen Rassismus gibt. Ich meine damit, dass sich Menschen nicht bewusst sind, dass sie anders mit farbigen als mit weißen Menschen umgehen.
Der Mord geschieht kurz vor dem Mittsommerfest. Warum haben Sie diese besondere Zeit gewählt?
Milla: Das erste Bild, das man mit Finnland verbindet, sind Kälte und Dunkelheit, denn wir haben sehr lange Winter. Deshalb wollten wir, dass unser Buch im Mittsommer spielt. Das Fest ist für uns Finnen sehr wichtig, wir feiern es draußen, vielleicht in einem Sommerhaus, man geht in die Sauna und im See schwimmen.